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Recruiting Prozesse im Wandel

INTERVIEW | Annika von Talents4Good erklärt uns wie sich das Recruiting in den letzten Jahren geändert hat und worauf Personaler*innen bei der Kandidatensuche achten sollten.

INTERVIEW | Annika von Talents4Good erklärt uns wie sich das Recruiting in den letzten Jahren geändert hat und worauf Personaler*innen bei der Kandidatensuche achten sollten.

08.04.2022 | Ein Interview geführt von Anna Weiler | Bild: Annika Behrendt

Welche Vorteile die Digitalisierung des Bewerbungsprozesses und die Nutzung von Social Media Kanälen als Recruiting Kanäle haben, schildert die HR Verantwortliche Annika in diesem Interview. Außerdem berichtet sie uns, welche Rolle Nachhaltigkeit heutzutage im Job spielt und wie womöglich die Zukunft des Recruitings aussehen wird.

In unserem Beitrag ,,Recruitings Trends 2022" erfährst du noch mehr zu dem Thema.

JOBVERDE: Welche Veränderungen im Recruitingprozess nimmst du persönlich in den letzten Jahren, insbesondere seit der Corona- Pandemie, wahr?

Annika: Ich habe den Eindruck, dass Corona bereits laufende Entwicklungen nur verstärkt hat, aber nicht unbedingt neue Besonderheiten zu Tage gefördert hat. Umgekehrt bedeutet das also: Nur, weil hoffentlich bald die Pandemie vorbei ist, werden sich diese Veränderungen nicht (oder nur teilweise) zurückdrehen lassen!

Zunächst wird der komplette Recruitingprozess digitaler. Viele und immer mehr unserer Kund*innen arbeiten mit HR-Software-Lösungen, die die Bewerbung, aber auch das Management des Bewerbungseingangs einfacher und automatisierter gestalten. Das hat viele Vorteile für Bewerber*innen: Eingangsbestätigungen kommen zeitnah und verlässlich. Bewerbungsunterlagen werden datenschutzkonformer verarbeitet als noch mit der E-Mail. Auch finden Vorstellungsgespräche häufiger virtuell statt, zumindest die ersten Runden – was sowohl den Organisationen als auch den Kandidat*innen viel (Reise-)Zeit spart.

Zudem haben die Organisationen viele positive Erfahrungen mit Remote Work gemacht. Auch wenn die meisten Organisationen den Wert der Präsenz vor Ort weiterhin hochhalten: Insgesamt gibt es eine viel größere Offenheit für gelegentliches bis regelmäßiges Homeoffice als vor Corona – und die dafür geeigneten Strukturen vom Laptop über die Videokonferenz bis zum erprobten virtuellen Team-Workshop.


Annika Behrendt von Talents4Good (Bild: Leonie Lorenz).

Wie schätzt du die Rolle der Sozialen Medien zukünftig beim Recruiting ein?

Der Fachkräftemangel ist längst in grünen Unternehmen und sozialen Organisationen angekommen. Das bedeutet, dass sich unser Mindset stark verändern muss: Weg von „Wie mache ich es mir selbst als Unternehmen leicht?" hin zu „Wie mache ich es den Bewerber*innen leicht, auf uns zu stoßen und sich bei uns zu bewerben?" Da sind Social Media natürlich zentral, denn mit ihnen bietet sich die Möglichkeit, die Leute dort zu erreichen, wo sie eh ihre Zeit verbringen. Ein großer Knackpunkt ist hier allerdings die Digital- und Social Media-Kompetenz der Personalverantwortlichen genauso wie deren Ressourcen: Nur sehr wenige Organisationen sind aktuell dazu in der Lage, ihr Recruiting erfolgreich über Social Media umzusetzen. Umso wichtiger sind und werden hier Intermediäre, z.B. Jobbörsen, die ihre Expertise in diesem Bereich gerade stark auf- und ausbauen. Auch wir investieren gerade viel Zeit darauf, Social Media- und Digital Recruiting-Strategien zu entwickeln und zu testen, zu denen wir dann unsere Kund*innen beraten können.

Welche Anforderungen stellen Jobsuchende heutzutage an den Bewerbungsablauf?

Schnell, wertschätzend, transparent. Das bedeutet nicht, dass ein Unternehmen in 24 Stunden das Vorstellungsgespräch eingetütet haben muss. Aber Bewerber*innen wollen zumindest Informationen dazu haben, warum und worauf sie warten. Auch wenn das gerade für kleinere Organisationen herausfordernd sein kann: Ich sehe darin eine große Chance, Augenhöhe in Besetzungsprozesse zu bringen und für beide Seiten bessere Ergebnisse zu erreichen. Die Menschen, die in unseren Organisationen arbeiten, sind unser größter Schatz und maßgeblich verantwortlich für unseren Erfolg und unseren Impact. Umso wichtiger, dass jede*r an den richtigen Platz kommt und wir uns die Frage stellen müssen, wen wir dafür brauchen und was wir zu bieten haben!

Für wie wichtig hältst du das Thema Nachhaltigkeit beim Thema Jobsuche? Legen Arbeitnehmer*innen zunehmend Wert darauf?

Talents4Good vermittelt nur Jobs mit Sinn. Deshalb habe ich vermutlich ein verzerrtes Bild davon, wie viele Menschen soziale oder ökologische Ziele mit ihrer Arbeit erreichen wollen. Aber ich sehe schon starke Veränderungen. Als wir 2012 begonnen haben, kamen Bewerber*innen fast schon beschämt auf uns zu, weil niemand in ihrem Umkreis nachvollziehen konnte, dass sie gut bezahlte Industriejobs für „irgendwas mit Tieren" aufgaben. Das hat sich gesamtgesellschaftlich gedreht. Nicht mehr die Ingenieurin, die mit Erneuerbaren Energien arbeitet, wird schief angeguckt, sondern der Kollege im fossilen Unternehmen. Das ist übrigens nicht nur auf die vielzitierte Generation Y beschränkt, sondern zieht sich durch alle Altersgruppen. Nun ist es an der Zeit, diesen Trend als nachhaltige Arbeitgeber zu nutzen!

Welche Tipps würdest du einem oder einer Personaler*in bei der Suche nach passenden Kandidat*innen geben?

Vielleicht ist es ein deutsches Problem, aber mir persönlich wird zu oft nur geschaut, ob eine Person genau diese Aufgabe schon gemacht hat. Darin sind zwei gefährliche Annahmen versteckt: 1. Wer etwas noch nicht getan hat, kann es auch in Zukunft nicht und 2. Wer etwas schon lange getan hat, tut es auch gut. Natürlich kann man nicht erwarten, dass die Berufseinsteigerin sofort eine gute Geschäftsführerin wird, oder der Quereinsteiger von Tag 1 an einen perfekten Job macht. Aber wer in einem zunehmend enger werdenden Arbeitsmarkt nicht an Potentiale glaubt, wird es als Arbeitgeber schwer haben.

Wie sieht die Zukunft des Recruiting aus?

Hier entwerfe ich lieber eine Vision als Digitales Namedropping zu betreiben: Technik ermöglicht es uns, uns auf die Dinge zu konzentrieren, die Menschen am besten machen. Bewerben macht Spaß und geht einfach. Personaler*innen brauchen weniger Zeit für Admin und haben mehr Zeit für (potentielle) Mitarbeiter*innen. KI reproduziert nicht unsere Biases und unterbewussten Fehlannahmen, sondern hilft uns, diese zu überwinden und wirklich die beste Person für den Job einzustellen. Das Arbeitsleben macht Menschen nicht klein und krank, sondern ermöglicht uns, unsere Stärken für etwas einzusetzen, das einen positiven Impact auf Andere hat – und damit ausreichend Geld für ein gutes Leben zu verdienen. 

 

Vielen herzlichen Dank für das Interview, liebe Annika!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Talents4Good stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare. Wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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Mehr zum Thema Bewerbungen findest du hier: Gewusst wie: Richtig gut bewerben

Wie die Zukunft der Berufswelt aussehen könnte: Erfährst du hier.



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